Wettkampfbericht Schweizer Meisterschaft 2007
Unglaublich aber wahr - bereits zum zehnten Mal führte die SNBF am 27. Oktober 2007 die Schweizer Meisterschaften im Bodybuilding und in der Miss Fitness Klasse durch. Dieses Jubiläum sollte Athleten, Zuschauer und Gäste denn auch den ganzen Abend hindurch diskret begleiten, ohne jedoch vom Haupt-Act auf der Bühne abzulenken. So ziemlich alle namhaften Anbieter von Sporternährungsprodukten hatten sich im Foyer versammelt, um ihre Produkte und Dienstleistungen der interessierten Kundschaft anzubieten. Neben unserem Hauptsponsor, Vital Ernährungsshop Sursee, waren Inko Sport, Better Bodies, NNC Frank Thrier, Winforce Nutrition, Power Food und Legal Power vertreten. Herzlichen Dank von unserer Seite an diese Partner, die uns seit Jahren unterstützen. Zum Jubiläum hin gönnte sich die SNBF erstmals einen TV Spot, der im Vorfeld während zwei Abenden auf Tele Züri ausgestrahlt wurde. Die spannende Frage, ob sich dies in den Zuschauerzahlen niederschlug, wurde am Abend eindrücklich beantwortet.
Der Schinzenhof war fast gänzlich voll, nur ein paar Randplätze blieben frei. Optimale Unterstützung der Athleten war also gewährleistet. Im Jubiläumsjahr hatten sich 29 Athletinnen und Athleten angemeldet. Alle Gewichtsklassen waren gut besetzt und boten den so spannenden Mix aus arrivierten Natural Athleten und überraschenden Newcomern. Die grosse Frage in jeder Gewichtsklasse war: Triumphieren Routine und Erfahrung oder Unbefangenheit und Spontaneität?
Punkt 18.00 Uhr wurde der Abend mit einem fulminanten Opening eröffnet. Die fast 700 Fans brachten den Hexenkessel erstmals zum Brodeln, als die Natural Heroes durch die Zuschauer Reihen hindurch einmarschierten, zu zweit auf die Bühne traten und in dämmrigem Licht zu peitschenden Beats einen kleinen Vorgeschmack auf die nun folgende Muskelschlacht lieferten. Der Speaker, Christian Henseler, SNBF Präsident François Gay und SNBV Vize Präsident und Wettkampforganisator Alex Traber liessen in einem kurzen small talk die letzten 10 SNBF Jahre nochmals Revue passieren. Anschliessend ging es dann gleich richtig zur Sache
Der Wettkampf startete mit der Junioren-Klasse. Die drei Athleten gingen sympathisch und unbekümmert ans Werk und boten bereits zu Beginn Bodybuilding der Spitzenklasse. Wie in jeder Klasse zeigten die Athleten erst ihre individuelle Kür (Posing zu selbst gewählter Musik), bevor sie in den Pflichtposen miteinander verglichen wurden. Das anschliessende Posedown (freies Posing zu Heavy Metal Sound) gab jedem Athleten nochmals die Möglichkeit, sich von seiner besten Seite zu präsentieren. Bereits sehr gute Ansätze zeigte der drittplazierte, Thomas Bachmann. Ihm fehlte es vor allem etwas an Muskelhärte für eine bessere Platzierung. Er liess aber mehr als erahnen, was nach einem weiteren Jahr der Vorbereitung auf seine Gegner zukommen könnte. Platz zwei ging an Robin Wirth. Robin war super vorbereitet; hart, symmetrisch und perfekt gebräunt. Unglaublich, dass dieses Talent erst 16 Jahre alt sein soll. Mit etwas mehr Muskelmasse wird Robin in Zukunft ein ganz heisser Anwärter auf den Sieg sein. Dieser ging in diesem Jahr an Pascal Brunner. Sein Anblick sorgt bei Jury und Publikum für offene Münder und ungläubiges Staunen. Mein Gott, was für ein Talent. Ein unglaublicher Oberkörper, gepaart mit perfekten Beinen, perfekt austrainiert und hervorragend präsentiert. A new natural star is born.
Als nächstes präsentierte sich die Master Klasse (Men over 40)den kritischen Augen von Jury und Publikum. Bei der SNBF ist dies mittlerweile eine der stärksten Klassen. Harte Arbeit über all die Jahre zahlt sich aus! Auf den vierten Platz landete Baruzza Angelo. Er präsentierte eine ansprechende Form. Im Vergleich zur Konkurrenz fehlte es ihm jedoch sowohl an Muskelmasse als auch an Muskelhärte für eine bessere Platzierung. Vielleicht nächstes Jahr, Angelo? Auf Platz drei platzierte sich Alfred Gick. Gute Veranlagung, ansprechende Präsentation aber leider etwas fehlende Muskelhärte, lautet das zusammengefasste Fazit. Ein zusätzliches Jahr Vorbereitung können daran sehr viel ändern. Den Beweis zu dieser Aussage lieferte Roger Weiss auf Platz 2. Auch er im Vorjahr eher als Talent mit Verbesserungspotential einzustufen, präsentierte er dieses Jahr ein ganz anderes Paket. Ultramassiv im Oberkörper mit eindrücklicher Schulter- und Armentwicklung, tief eingekerbtem Waschbrettbauch, eindrücklicher Bühnenpräsenz und perfekter Bräune. Auch seine Beinmuskulatur zeigte sich erheblich verbessert. Dass er am Klassensieger Siegmund Barazutti nicht vorbeikam, lag einzig an dessen Stärke, keinesfalls an Rogers Schwäche. Was sollen wir zu Barazutti noch sagen? Hat dieser Mann ein Rezept gefunden, den genetischen Alterungsprozess auszuschalten? Wie ist es möglich, dass ein Athlet mit 48 Jahren eine derartige Masse und Form präsentiert? Das ist Bodybuilding in seiner urtümlichsten Form. Brutale Masse, jeder Muskel perfekt ausgeformt, tief eingekerbte Muskelhärte und absolutes Charisma. Wir verneigen uns tief vor deiner Leistung, Siegmund.
Die Frauen Body Klasse bestand aus drei Athletinnen, wobei Kerstin Kenzler, Vorjahressiegerin der deutschen Meisterschaften, als Gastathletin am Start war. Logischerweise gewann Sie die Klasse „Frauen Body International“. Sie zeigte eine sehr ansprechende Form und Präsentation, mit einer klaren Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Dass sie nicht ganz austrainiert war lag daran, dass sie ihr Timing auf die Deutsche Meisterschaft vom 3. November abgestimmt hatte. Platz zwei ging an Karin Hauri. Sie zeigte sich gegenüber dem Vorjahr unglaublich verbessert. Vor allem der Rücken- Schulterbereich war wie aus Stein gemeisselt. Die Abdominals waren tief eingeschnitten, die Beine hart wie Granit, die Arme wunderbar geteilt und separiert. Hätte sie noch ein oder zwei Kilogramm mehr Muskelmasse mitgebracht, wäre ihr der Sieg nicht zu nehmen gewesen. So ging dieser ganz knapp an Flurina Stahel. Flurina war deutlich weniger hart, hatte aber sowohl im Bereich der Symmetrie, Muskelmasse und Bühnenpräsentation leichte Vorteile. Bereits seit Jahren präsentiert sie uns ein fast unübertreffliches Paket an Eleganz, Harmonie und Reife. Nun wurde es international. Fünf Athleten aus drei Nationen kämpften um den Klassensieg. Tobias Rehagel aus Deutschland zeigte sich sehr symmetrisch und recht massiv, war aber ganz einfach (noch) zu wenig hart. Das gleiche gilt für Christian Kellenberger aus Deutschland. Wuchtig, massig und symmetrisch fehlte es auch ihm an der notwendigen Muskelhärte. Beide hatten ihr Timing auf die deutsche Meisterschaft abgestimmt und zahlten nun das Lehrgeld dafür. Der drittplazierte Anthony Always aus Nigeria war zwar leider zu wenig hart und auch seine Bühnenpräsentation ist noch verbesserungswürdig. Was er aber an Muskelmasse und Symmetrie präsentierte, ist mit einem Jahr mehr Feinschliff jederzeit für einen Klassensieg gut. Auf Platz zwei reihte sich der Seriensieger der vergangenen Jahre, Andreas Müller, ein. Nicht etwa, dass er nicht in Form gewesen wäre. Er zeigt wie jedes Jahr eine wunderbar austrainierte, symmetrische und ausgereifte Muskulatur, gepaart mit einer wunderbar charismatischen und ansprechenden Bühnenpräsentation. Einzig seine Muskelhärte war vielleicht ein kleines bisschen schwächer als in den vergangenen Jahren. Dies reichte jedoch bereits aus, um Troy Saunders aus den USA vorlassen zu müssen. Troy war an diesem Abend ganz einfach perfekt: Muskulös vom Scheitel bis zur Sohle, wunderbar austrainiert, absolut ohne Schwächen, zog er von Anfang an alle im Saal in den Bann. Seine Kür im Robo-Sytle war witzig und mit einem Augenzwinkern vorgetragen, peitschte er die Stimmung im Saal zusätzlich auf. Kein Zweifel - an diesem Abend konnte es nur einen Sieger geben.
In der Männerklasse bis 70 Kilogramm belegte Alfred Gick den vierten Platz. Wie zuvor in der Masters Klasse wurde ihm die fehlende Muskelhärte zum Verhängnis. Thomas Beer hinterliess einen sehr guten Eindruck. Er zeigte sich wunderbar symmetrisch und perfekt austrainiert, ohne grössere Schwächen und Stärken. Ihm fehlt es einfach noch ganz generell etwas an Muskelmasse. Platz zwei ging an Fabio Orfeo aus dem Tessin. Wenn man diesen Athleten alleine auf der Bühne sieht, kann man sich gar nicht vorstellen, wer denn noch besser sein könnte. Fabio hat wirklich alles, was ein Bodybuilder braucht. Er ist ausreichend massiv, hat eine wunderbare Symmetrie und ist knallhart austrainiert. Auch an Selbstvertrauen und Bühnenpräsenz mangelt es ihm keineswegs. So wäre Fabio ein logischer Sieger jeder Meisterschaft, wenn da nicht Urs Zumstein am Start gewesen wäre. Wie zum Teufel ist es möglich, dass ein Athlet bis 70 Kilogramm derart massiv ist? Sein Oberkörper ist absolut Weltklasse, seine Armentwicklung fast ausserirdisch und seine Abdominals sind absolut crazy. Seine Beine stehen dem in nichts nach. Seine Kür beweist, dass Muskeln nicht unbeweglich machen - Salto rückwärts, Spagat, Bizepspose mit einem Bein gerade nach oben gestreckt, alles leichte Übungen für Urs. Auch wenn bei den Pflichtposen noch Verbesserungspotential besteht - an diesem Abend führte kein Weg an ihm vorbei.
Bei den Männern bis 80kg belegte Julian Marty den sechsten Platz. Er zeigte eine ansprechende Muskulatur, war aber nicht genügend austrainiert. Adriano Forlasci auf Platz fünf erging es ähnlich. Sehr schöne Symmetrie, ansprechende Muskelmasse aber etwas zu wenig hart. Wenn diese Zwei Athleten den Trainingselan beibehalten, werden sie schon bald den Anschluss an die Spitze schaffen. Roger Weiss erkämpfte sich in dieser Klasse den vierten Platz. Hier standen einem guten Athleten ganz einfach drei noch bessere Kämpfer vor der Sonne. Zum Beispiel Oskar Husmann auf Platz drei. Ein wunderbarer Athlet mit Wespentaille, super Symmetrie und ansprechender Muskelmasse. Sicher kann er einzelne Pflichtposen noch verbessern, sonst war er aber absolut top. Dass am Schluss „nur“ der dritte Platz drin lag, war darauf zurückzuführen, dass das Spitzenduo mit Bruno Stadler und Martin Portner aus zwei Weltklasse Bodybuildern bestand, die schon mehrmals an der WM für Furore gesorgt hatten. Bruno Stadler war wie immer eine Augenweide: seine Symmetrie, Harmonie und Muskelhärte suchen noch immer seinesgleichen. Ein lebendes Kunstwerk. Das Synonym für den Klassensieger Martin Portner ist Hard Rock. Martin war ultramassiv, hart wie Stein und ohne irgendeine Schwäche. In seiner Kür schwang er eine vorzeitliche Streitaxt. Er sah derart imposant aus, dass wir ihn jederzeit für die Nachfolge von Arnold Schwarzenegger in einem Conan-Film empfehlen können. So gewann er den Kampf der Giganten am Ende doch deutlich.
Nun schlug die Stunde der ganz schweren Brocken - Männer über 80 Kilogramm. Auf Platz vier kam Ali Ghiasi. Er zeigt recht gute Ansätze und dürfte mit einem Jahr zusätzlicher Vorbereitung durchaus ein ernst zu nehmender Gegner sein, in diesem Jahr war er aber ganz einfach noch nicht soweit. Auf Platz drei landete Mario Müller. Mario ist ein sehr schöner, ästhetischer Athlet mit ansprechender Muskelmasse und -härte. An diesem Abend hatte er das Pech, dass zwei absolute Muskelfreaks ebenfalls um den Titel kämpften und ihm vor der Sonne standen. Siegmund Barazutti, Sieger der Masters Klasse, war hier ebenfalls am Start. Auch in dieser Klasse konnte er sich durchaus sehen lassen und wurde klarer Zweiter. Ebenso klar war der Sieg von Bertrand Ndawele. Der Vorjahres Gesamtsieger hatte sich seit dem letzten Jahr enorm verbessert. Im letzten Jahr eher noch ein Rohdiamant mit riesigem Potential hatte er dieses nun beinahe vollständig ausgeschöpft. Riesige, ausladende, quer gestreifte Beine, eine Wespentaille, die jede Frau im Publikum vor Neid erblassen liess, ein Rücken der aussah wie ein Kobrakopf, massive Brust und Schultern, tief gerippte Abdominals und absolut gigantische Arme. Einziger kleiner Wehmutstropfen ist die nach wie vor unausgereifte Bühnenpräsentation. Nichtsdestotrotz reichte es ohne Probleme für den Klassensieg. In der Miss Fitness Klasse sahen wir auf Platz drei Marisa Almeida. Wunderschön und elegant, aber etwas zu wenig muskulös und austrainiert. Etwas besser definiert zeigte sich Claudia Fürst. Ihr fehlte es etwas an Muskelmasse, um ganz vorne mit dabei zu sein. Die Siegerin, Eleonora Pinter, war eine Klasse für sich. Muskulös und definiert, aber dennoch absolut ästhetisch und feminin, mit einem Waschbrettbauch, der manchem Teilnehmer in den Männerklassen gut gestanden hätte, präsentierte sie sich auf absolut charismatische Art und Weise. Der Sieg war die logische Konsequenz. Im Stechen um den Gesamtsieg gab es einen klaren, eindeutigen Sieger: Bertrand Ndawele.
Für die WM qualifizierten sich: Bertrand Ndawele, Martin Portner, Bruno Stadler (verzichtet auf die Teilnahme), Urs Zumstein und Eleonora Pinter. Ergänzt wird unser Super Team durch Belinda Schudel (Miss Fitness Professional) und Michel Frauchiger (Weltmeister 2006 in der Masters Klasse). Jungs und Mädels, wir drücken Euch die Daumen.
|